SARS-CoV-2 Factsheet

Epidemiologie, Pathologie und Möglichkeiten der Labordiagnostik:
Lesen Sie die wichtigsten Fakten über SARS-CoV-2 im Überblick.

Aktuelle Informationen




Prozentualer Anteil der Omikron- und Delta-Varianten von positiv auf SARS-CoV2-Getesteten im süddeutschen Einzugsgebiet

96.7%
2.1%
0.6%
0.6%
KW38
96.4%
2.5%
0.8%
0.3%
KW39
93.8%
2.1%
1.5%
2.6%
KW40
95.7%
1.2%
2.1%
0.9%
KW41
94.0%
2.1%
1.2%
2.7%
KW42
96.0%
0.9%
1.1%
2.0%
KW43
91%
2.9%
2.0%
4.1%
KW44
92.2%
0.8%
4.1%
2.9%
KW45
88.9%
4.9%
6.2%
KW46
Omikron = BA.5
Omikron = BA.4
Omikron = BA.2.75
Omikron = BA.2
Stand: 22.11.2022
64.8%
11.0%
11.8%
12.4%
KW26
77.2%
8.2%
8.5%
4.7%
KW27
82.0%
9.1%
6.0%
2.9%
KW28
82.1%
6.0%
4.2%
7.7%
KW29
85.1%
4.0%
3.5%
7.5%
KW30
88.8%
4.0%
1.3%
5.9%
KW31
84.9%
4.3%
10.8%
KW32
Omikron = BA.5
Omikron = BA.4
Omikron = BA.2
Omikron = BA.1
Stand: 16.08.2022
89%
11%
KW13
89.3%
10.7%
KW14
93.3%
6.7%
KW15
1.8%
90.5%
7.7%
KW16
2.9%
88.0%
9.1%
KW17
2.7%
92.9%
4.3%
KW18
6.8%
90.2%
3.0%
KW19
13.7%
82.2%
4.1%
KW20
15.3%
80.2%
4.5%
KW21
30.8%
67.0%
2.2%
KW22
50.4%
46.9%
2.7%
KW23
66.7%
28.1%
5.2%
KW24
72.1%
22.6%
5.3%
KW25
Omikron = BA.4 / BA.5
Omikron = BA.2
Omikron = BA.1
Stand: 28.06.2022
13.2%
86.6%
0.2%
KW05
19.4%
79.8%
0.8%
KW06
27.2%
72.5%
0.3%
KW07
44.1%
55.9%
KW08
53.6%
46.4%
KW09
73.1%
26.9%
KW10
79.7%
20.3%
KW11
84.9%
15.2%
KW12
Omikron = BA.2
Omikron = BA.1
Delta = B.1.617.2
Stand: 11.04.2022
100%
KW48
98.8%
1.2%
KW49
93.1%
6.9%
KW50
72.5%
27.5%
KW51
44.3%
55.7%
KW52
20.8%
79.2%
KW1
6%
94%
KW2
2.4%
97.6%
KW3
0.9%
99.1%
KW4
Delta = B.1.617.2
Omikron = B.1.1.529
Stand: 01.02.2022



Das Corona Balkendiagramm und seine Entstehungsgeschichte


Wöchentlich präsentieren wir auf den Sozialen Medien und der Webseite den aktuellen Stand der prozentualen Verteilung der Corona-Varianten. Doch wie genau kam es zu dieser Variantendiagnostik?

Dr. Siegfried Burggraf, Leiter der Abteilung Molekularbiologie am Labor Becker, erklärt: „Im Laufe der SARS-CoV-2 Pandemie haben die Viren eine zunehmende Anzahl von Mutationen in ihrer Erbinformation angehäuft. Bestimmte Veränderungen können sich auf die Eigenschaften des Virus wie z.B. Übertragbarkeit, Virulenz oder Immunogenität auswirken.“
Bereits Mitte Dezember 2020 wurde aus dem Vereinigten Königreich von einer zunehmenden Verbreitung einer Variante berichtet, der Linie B.1.1.7 (Alpha). Weiterhin wurde erstmals über das Auftreten der SARS-CoV-2 Variante B.1.351 (Beta) in Südafrika berichtet, welche genau wie die Variante B.1.1.7 mehrere Mutationen im Gen für das Spikeprotein aufweist. Zum selben Zeitpunkt zirkulierte im brasilianischen Staat Amazonas die Variante B.1.1.28 (Gamma). „Bei allen Varianten wurde eine erhöhte Übertragbarkeit beobachtet und eine erhöhte fallbezogene Sterblichkeit diskutiert,“ so Dr. Burggraf.
Der Unterschied der Varianten liegt im Spektrum der verschiedenen Mutationen. Eine Mutation (A23036T) wird jedoch bei allen drei Varianten gefunden. Detektiert werden diese Varianten durch die Sequenzierung des viralen Genoms.
Im Vereinigten Königreich wurden diese Sequenzierungen bereits zu Beginn der Pandemie in großem Umfang durchgeführt. Auch in Deutschland stieg die Zahl der sequenzierten Proben.
„Die Sequenzierung des viralen Genoms ist eine aufwändige, zeitintensive Prozedur. Meist liegen die Ergebnisse erst nach ca. 2 Wochen vor. Die Sequenzierung ist jedoch essentiell, wenn es darum geht bisher unbekannte Varianten zu finden,“ so Dr. Burggraf. „Für die Diagnostik, also um zu detektieren, welche bereits bekannte Variante bei einem Patienten vorliegt, ist eine Sequenzierung aufgrund der langen Dauer bis zur Ergebnismitteilung eher ungeeignet.“

Aus diesem Grund haben wir uns bereits im Dezember 2020 dazu entschieden, bekannte Varianten durch ein variantenspezifisches PCR-Verfahren zu detektieren. Der erste im Labor Becker etablierte Test erfasste die Mutation A23036T (N501Y). Bei einem negativen Nachweis von N501Y konnte eine Infektion mit einem der drei Stämme B.1.1.7, B.1.351 oder B.1.1.28 P.1 ausgeschlossen werden. Das Ergebnis konnte innerhalb eines Tages erlangt werden.
Dr. Burggraf erklärt: „Ende Dezember 2020 wurde im Labor Becker dieser Test aus rein epidemiologischen Gründen durchgeführt. Somit konnten wir beobachten, dass sich der Anteil der positiven Proben mit der N501Y-Mutation schnell erhöhte.“
Zeitnah wurden die Variantenteste angepasst, so dass auch bald typgenau die Varianten (Alpha, Beta oder Gamma) ermittelt wurden.

„Innerhalb kürzester Zeit war Alpha der dominierende Virustyp. Mitte 2021 wurde Alpha von Delta ersetzt, eine Variante, die zuerst in Indien eine große Infektionswelle verursacht hatte. Im November 2021 tauchte dann die Variante Omikron auf. Anfang Januar 2022 war schon die Hälfte unserer positiven Proben der Variante Omikron zuzuordnen. Ende Januar 2022 wurde ausschließlich Omikron detektiert,“ erklärt Dr. Burggraf den Verlauf.
Inzwischen sind verschiedene Subtypen von Omikron aufgetreten. Der Omikron-Subtyps BA.1 verursachte die erste Infektionswelle 2022, danach kam der Subtyps BA.2. Ende Juli 2022 lag der Anteil des Omikron-Subtyps BA.5 bei 82% gegenüber anderen Omikron-Subtypen.
„Im Verlauf sieht man, wie schnell sich neue Mutationen durchsetzen und ältere verschwinden. Die Virusentwicklung kann quasi in Echtzeit beobachtet werden,“ ergänzt Dr. Burggraf.

Es bleibt spannend zu sehen, wie die weitere Entwicklung des Virus voranschreitet. Labor Becker wird Sie auch weiterhin informieren.




Charakteristika des Erregers 1 2

  • Virusname: SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2)
  • Gattung: Betacoronavirus
  • behülltes Einzelstrang-RNA-Virus
  • bisher drei genetische Linien A, B und C



Übertragungswege

  • Hauptübertragungsweg: Tröpfcheninfektion 3 14
  • Aerosole 3 4 5
  • Kontaktübertragung über kontaminierte Oberflächen und Körperteile 6 7
  • fäkal-oral: bisher nicht eindeutig 8 9 10
  • vertikale Übertragung in der Schwangerschaft: fraglich 11 12 13



Epidemiologie 14 25 15 16 17 18 19


45 Jahre

Erkrankungsalter Median


1 - 14 Tage

Inkubationszeit
im Mittel 5 - 6 Tage


55% - 85%

Manifestationsindex


10,5%

In Abhängigkeit von Teststrategie und Meldungen


2 - 3,3

Basisreproduktionszahl R0 ohne Maßnahmen




Dauer der Infektiosität 20 21 22 23 24 25 26

  • ab ca. zwei Tagen vor Symptombeginn
  • höchste Ansteckungsfähigkeit: unmittelbar vor Symptombeginn
  • Zeitpunkt Ende der Ansteckungsfähigkeit: aktuell noch unsicher, wahrscheinlich nach Tag 10 ab Symptombeginn je nach Ausprägung der Erkrankung



Falldefinition gemäß RKI 27

  • klinisches Bild
  • labordiagnostischer Nachweis
  • epidemiologische Bestätigung



Klinisches Bild

  • spezifisches klinisches Bild eines COVID-19: Pneumonie
  • unspezifisches klinisches Bild eines COVID-19: definiert als eines der beiden folgenden Kriterien: akute respiratorische Symptome jeder Schwere, krankheitsbedingter Tod
  • Es besteht Meldepflicht gemäß §6 und §7 des Infektionsschutzgesetzes



Pathogenese und Klinik 28 29 30 31 32 33

  • sehr variable Verläufe von asymptomatischen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen
  • initiale Replikation des Virus in den Atemwegen
  • teils überschießende Immunantwort durch Freisetzung von Zytokinen (Zytokinsturm)
  • Luftnot als mögliches Zeichen eines beginnenden schweren Verlaufes



Weitere mögliche Organbeteiligung




Häufigste Symptome 34

45%
Husten
38%
Fieber
20%
Schnupfen
15%
Geruchs- / Geschmacksstörung
3%
Pneumonie



Prognose 35 36

  • im Regelfall milde Verläufe: >80%
  • schwere Verläufe (KH-Aufnahme nötig): bis zu 14%
  • kritische Krankheit mit akuter Lebensgefahr: bis 5%
  • hohe Sterblichkeit bei Eintreten einer intensivmedizinischen Beatmungspflicht



Spezielle Patientengruppen


Risikogruppen für schwere Verläufe 14 37 38 39 40 41

  • im Regelfall milde Verläufe: > 80%
  • Patienten mit chronischen kardiovaskulären Vorerkrankungen (z.B. KHK, Bluthochdruck) bzw. schwerer Herzinsuffizienz
  • Patienten mit Diabetes mellitus
  • Raucher (geringe Evidenz)
  • Patienten mit chronischen Lungen- (z.B. COPD), Nieren- und Lebererkrankungen
  • Patienten mit einer aktiven onkologischen Erkrankung
  • Patienten unter therapeutischer Immunsuppression
  • Patienten mit starker Adipositas sowie Patienten mit schlechtem Ernährungszustand

Schwangere und Stillende 42 43 44 45 46

  • scheinbar seltener symptomatische Fälle bei SARS-CoV-2-infizierten Schwangeren
  • keine ausreichenden Studiendaten, um schwereren Verlauf in Schwangerschaft zu belegen
  • Prüfung einer Thromboseprophylaxe
  • Hygienemaßnahmen beim Stillen

Kinder 47 48 49 50 51 52 53

  • Kinder scheinen etwas weniger empfänglich für eine COVID-19-Erkrankung zu sein
  • Eher mildere Verläufe, wenige schwere Verläufe, v.a. bei Säuglingen und Kleinkindern
  • Teilweise Berichte über Krankheitsbilder ähnlich dem Kawasaki-Syndrom mit einer multisystemischen Inflammation 54 55



Koagulopathie bei COVID-19-Erkrankten 58 59

  • Erhöhtes Thromboserisiko bei ambulanten und stationären COVID-19-Patienten: D-Dimere bestimmen
  • D-Dimere signifikant erhöht (>1500-2000 ng/ml): Thromboseprophylaxe
  • Bei gesicherter COVID-19-Erkrankung sollte auch im ambulanten Bereich die Indikation zur medikamentösen Thromboseprophylaxe fortlaufend geprüft und großzügig gestellt werden
  • Alle hospitalisierten COVID-19-Patienten sollten hämostaseologisch überwacht werden und eine medikamentöse Thromboseprophylaxe erhalten. Bei Vorliegen von Risikofaktoren/erhöhten D-Dimeren ggf. in intensivierter Dosis (stets Anpassung bei Niereninsuffizienz)



Möglichkeiten der Labordiagnostik


Nachweis einer akuten Infektion:

Methode der Wahl: direkter Virusnachweis aus einem naso- oder oropharyngealen Abstrich oder aus respiratorischem Material.

Eine Anleitung zur Durchführung des Abstrichs finden Sie hier.

Häufigstes Verfahren zum Erregernachweis ist die sogenannte Real Time PCR (RT-PCR). PCR steht für Polymerase Chain Reaction bzw. Polymerasekettenreaktion.

Die PCR ist der Goldstandard für die Akutdiagnostik.

Falsch negative Ergebnisse sind möglich bei

  • mangelnder Qualität der Probe bzw. des Abstrichs.

  • Fehler bei Transport oder Lagerung.

  • Spätphase der Erkrankung, da die größte Viruslast dann meist nicht mehr im Rachenbereich, sondern in den tieferen Atemwegen vorzufinden ist.

Mehr über falsch negative Ergebnisse finden Sie in unserem FAQ zum Thema Labordiagnostik. Ob der Antigen-Nachweis aus respiratorischen Sekreten in Zukunft eine Rolle spielen wird, ist momentan Gegenstand der Forschung.


Nachweis einer abgelaufenen Infektion:

Methode der Wahl: serologischer Nachweis von Antikörpern (AK), die gegen das Virus bzw. gegen Virusbestandteile gebildet wurden. Der Antikörper-Test ist nicht für die Akutdiagnostik geeignet!




Nachweisbarkeit




Verfügbare Testsysteme


ELISA

Enzyme-Linked Immunosorbent Assay


(E)CLIA

(Elektro-)Chemilumineszenz Immunoassay


Virus-Neutralisationstest

nur in Speziallaboren


IFT

indirekte Immunfluoreszenz (nicht kommerziell)


Schnelltests

Lateral Flow Immunoassays, chromatografische Immunoassays (aktuell unzureichende Beurteilbarkeit der Leistungsfähigkeit)

Eine Übersicht der verschiedenen Testverfahren finden Sie hier.




Was sagt der Ct-Wert aus?

Von den Laboren wird häufig gefordert, dass zu einem positiven Corona PCR-Test auch der Ct-Wert (= Cp-Wert) mitgeteilt wird. Aus diesem Ct-Wert sollen Rückschlüsse über die Infektiosität gezogen werden, um u.a. über Quarantäne-Maßnahmen zu entscheiden.

Der Ct-Wert, der bei vielen PCR-Geräten angegeben wird, ist die Anzahl der durchgeführten Zyklen, nach denen während der PCR ein positives Signal detektiert wird. Je später das positive Signal detektiert wird (d.h. je höher der Ct-Wert), umso weniger Virus-RNA war in der Probe enthalten.

Bei dem von uns eingesetzten PCR-Test zum Nachweis der SARS-CoV-2-RNA aus Abstrichtupfern und Proben des unteren Respirationstraktes handelt es sich um einen rein qualitativen Test. Einige Probleme, die in folgendem Text ausführlich erläutert sind, erlauben es uns nicht, quantitative Angaben, die den Richtlinien und unserem Qualitätsanspruch genügen, weiterzugeben.

Aus den gleichen Gründen ist auch eine reine Weitergabe der Ct-Werte von uns nicht zu vertreten, da ohne Vergleichsdaten und Kenntnis des Stadiums der Infektion der reine Ct-Wert in vielen Fällen keinerlei Aussagekraft besitzt. Es besteht die Gefahr, dass Patienten aus der Isolierung entlassen werden, die noch ansteckungsfähig sein könnten.

Mit Stand vom 14.01.2022 benennt das RKI eine Viruslast von < 10⁶ pro Milliliter Untersuchungsmaterial als mögliches zusätzliches Entlasskriterium aus der Isolierung nach schwerer Infektion (mit Sauerstoffpflichtigkeit) und für besondere Personengruppen (siehe "COVID-19: Entisolierung von Patient/-innen im stationären Bereich sowie Bewohner/-innen in Alten- und Pflegeheimen").

Wir haben daher einen PCR-Test zur Abschätzung der Viruslast (gemessen gegen eine Referenz) etabliert. Damit sind die laborinternen Einflüsse (Aufbereitung und Extraktion der Nukleinsäure, Geräte- und testchargenabhängige Faktoren) kontrolliert. Eine gezielte Anforderung ist notwendig.

Um den Quarantäne Empfehlungen des RKI (siehe "Quarantäne- und Isolierungsdauern bei SARS-CoV-2-Expositionen und -Infektionen; entsprechend Beschluss der Ministerkonferenz vom 7. und 24. Januar 2022") zu entsprechen, geben wir auch bei unserem qualitativen Test an, ob der Ct-Wert über der Referenzgröße 30 liegt oder darunter.




Bitte beachten Sie, dass es sich um dynamisches Wissen handelt. Die angegebenen Informationen entsprechen dem aktuellen Stand des Wissens und werden regelmäßig überprüft und aktualisiert, bzw. den neuesten Ergebnissen angepasst. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit!




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